Guttannen → Filisur via Susten, Oberalp, Ruinaulta
Von: Guttannen (46°33′ N, 8°17′ E). Nach: Filisur (46°40′ N, 9°40′ E). Distanz: 145 km. Fahrzeit: vier bis fünf Stunden, plus mindestens eine Stunde an der Ruinaulta.
Diese Strecke führt vom Berner Oberland nach Graubünden — ostwärts über Susten und Oberalp, durch die Surselva, vorbei an der Vorderrhein-Schlucht, hinunter ins Albulatal. Sie ist nicht die schnellste Verbindung zwischen den beiden Regionen — die Autobahn über den Walensee wäre eine halbe Stunde kürzer — aber sie ist die einzige, die durch die Schlucht führt.
Wir sind sie im Juli 2020 gefahren, am Tag nach den drei Pässen. Ein zweiter langer Tag — diesmal nicht aus Notwendigkeit, sondern weil die Ruinaulta gesehen werden wollte.
Guttannen → Andermatt via Susten · 50 km
Der Sustenpass vom Westen aus ist die andere Hälfte der drei-Pässe-Tour: was gestern Heimkehr war, ist heute Aufbruch. Die Strecke kennt man jetzt — Spitzkehren, Galerien, oben die Wasserscheide. In Andermatt einbiegen auf die Oberalpstraße, ostwärts.
Andermatt → Oberalppass → Disentis · 36 km
Der Oberalppass (2.044m) ist niedriger als die Pässe des Vortags, aber er hat einen anderen Charakter: weiter, offener, mit einer Bahnstrecke parallel zur Straße. Die Glacier-Express-Linie fährt hier oben über den Pass — eine Eisenbahn auf 2.044 Metern.
Vom Pass ostwärts nach Disentis. Hier beginnt die Surselva — das obere Rheintal, sprachlich rätoromanisches Gebiet, geografisch eine offene Talweite. Die Strecke ist breit und unprätentiös.
Disentis → Ilanz · 38 km
Die Surselva fährt sich angenehm — die Strecke breit, der Verkehr mäßig, das Tal lichthaltig. Die Ortsnamen wechseln im Rhythmus von rund zehn Kilometern: Trun, Tavanasa, Cumbel, Castrisch. Bei Ilanz, der ersten Stadt am Vorderrhein, biegt die Strecke in eine andere Topografie: das Tal verengt sich, die Felswände werden höher, der Fluss tiefer.
Ilanz → Reichenau via Ruinaulta · 18 km
Die Ruinaulta — der Grand Canyon der Schweiz — entstand vor neuntausend Jahren, als bei Flims ein halber Berg ins Rheintal abrutschte. Mehrere Milliarden Kubikmeter Gestein. Der Rhein hat sich seither hindurchgegraben und eine Schlucht geformt, deren Wände 350 Meter senkrecht stehen.
Die Hauptstraße fährt oberhalb der Schlucht, nicht in ihr. Wer die Schlucht sehen will, muss anhalten — die zwei klassischen Punkte sind der Aussichtspunkt Il Spir bei Conn und der Bahnhof Versam-Trin, wo die Rhätische Bahn auf der Schluchtseite hält.
Wir halten am Parkplatz bei Conn, gehen die zehn Minuten zur Plattform Il Spir, stehen drei Minuten am Geländer.
Reichenau → Filisur via Albulatal · 25 km
Bei Reichenau treffen Vorder- und Hinterrhein zusammen; ab hier heißt der Fluss schlicht Rhein. Die Strecke ostwärts führt ins Albulatal, das von hier aus parallel zur Berninabahn nach Süden steigt. In Tiefencastel biegt die Strecke nach Filisur ab — letzte zwölf Kilometer ein engeres Tal, dann das Dorf.
Filisur hat einen Bahnhof, ein paar Häuser, einen Stellplatz, der nichts kostet. Genau das, was wir suchten.
Closing
Tank in Andermatt oder Disentis — auf der Strecke dazwischen nichts. Plane einen kurzen Stopp an der Ruinaulta ein, nicht einen langen — die Schlucht trägt sich am besten in zehn Minuten. Im Sommer kann es bei Conn voll werden; früh oder spät am Tag ist ruhiger.