Guttannen, 21:14

Wir stehen am Dorfrand auf einem Parkplatz, der nicht ausgewiesen ist und auf dem trotzdem zwei andere Camper stehen — ein älterer Hymer, ein VW-Bus. Der Hymer macht um 21:00 Uhr Licht aus, der VW-Bus war schon dunkel als wir ankamen.

Der Bach läuft hörbar an der hinteren Seite des Parkplatzes. Es ist die Aare auf 1.057 Metern Höhe, noch nicht der Fluss, der durch Bern fließt — hier ist sie ein Gebirgsbach mit dem konstanten Geräusch, das Gebirgsbäche haben. Wer das einmal in seinem Leben länger gehört hat, erkennt es wieder.

Die Standheizung läuft auf zwei. Im Sprinter ist es siebzehn Grad — fünf Grad mehr als draußen, weniger als zu Hause, ausreichend für Wollsocke und Schlafsack.

Auf dem Display der Standheizung leuchtet die LED grün. Sie ist seit zwanzig Minuten grün. Das ist die Information des Abends — keine Schranke, keine Anmeldung, keine Parzelle, keine Hausordnung. Eine grüne LED.

Wer das System des deutschen Campings kennt, weiß, was hier nicht stattfindet. Niemand fragt uns, wo wir herkommen. Niemand zeigt uns einen Stellplatz. Niemand reicht uns ein Formular. Wir sind hier, weil wir hier sein wollten und weil niemand etwas dagegen hat.

Bei einundzwanzig Uhr neunzehn schlafe ich ein. Die Aare läuft weiter.