Il Spir, 16:47

Vom Parkplatz bei Conn sind es zehn Minuten zu Fuß. Der Weg läuft durch einen Föhrenwald, der nach Harz riecht und nach dem Regen vom Morgen. Die Plattform liegt am Ende des Pfads — Stahl und Holz, Konstruktion neueren Datums, die über die Felskante ragt.

Wer durchläuft, hat die Schlucht direkt unten. Der Vorderrhein dreht sich auf 600 Metern unter uns, türkis und manchmal grau. Auf den Schuttkegeln stehen einzelne Föhren — drei davon kann man von der Plattform aus zählen, sie wirken wie Markierungen entlang einer Linie, die nicht da ist.

Das Geräusch der Schlucht ist nicht eins. Es sind mehrere: der Rhein weit unten, der Wind in den Föhren, das eigene Atmen, das man hier merkt. Wir stehen drei Minuten. Vielleicht vier.

Die Schlucht ist noch jung. Vor neuntausend Jahren rutschte bei Flims ein halber Berg ins Rheintal; der Fluss schnitt sich durch das Bergsturzmaterial. Aus geologischer Sicht ist das gestern. Auf der Tafel am Anfang des Weges stehen die Zahlen — mehrere Milliarden Kubikmeter, neun Jahrtausende, Wassergeschwindigkeit hier, durchschnittlicher Querschnitt da. Tafelinformation, die der Moment nicht braucht.

Drei Aufnahmen vom selben Punkt — Weitwinkel, Tele, eine mit der Plattform im Vordergrund. Keine davon wird das wiedergeben.

Wir gehen zurück zum Wagen. Filisur liegt eine Stunde östlich. Wir kommen mit Regen an.